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Interaktives, personalisiertes Fernsehen der Zukunft
Die UCI Straßenrad WM 2006 in Salzburg steht im Mittelpunkt eines internationalen Forschungsprojektes, das die Entwicklung von völlig neuen, interaktiven Mitgestaltungsmöglichkeiten für Fernsehzuseher bei der Live-Übertragung von Großveranstaltungen zum Ziel hat.
2006-09-21Interaktives, personalisiertes Fernsehen der Zukunft Change Die UCI Straßenrad WM 2006 in Salzburg steht im Mittelpunkt eines internationalen Forschungsprojektes, das die Entwicklung von völlig neuen, interaktiven Mitgestaltungsmöglichkeiten für Fernsehzuseher bei der Live-Übertragung von Großveranstaltungen zum Ziel hat.
In diesen Tagen blickt die gesamte Radsport-Welt auf die UCI Straßenrad WM 2006 in Salzburg. Während sich sportbegeisterte Fernsehzuseher vorwiegend auf das Streckengeschehen und die Leistungen der Fahrer konzentrieren, arbeitet hinter den Kulissen ein internationales Forschungsteam an der Lösung einer entscheidenden Frage: Wie können wir in Zukunft die Live-Übertragung von Großereignissen für unsere Zuseher interaktiv gestalten? TV-Konsumenten könnten damit in der Lage sein, unterstützend für die Gestaltung der Fernsehbilder mit zu wirken. Im internationalen Forschungsprojekt „LIVE-Staging of Media Events“ entwickeln neun Institutionen aus Europa Konzepte und Technologien für eine neuartige
Programmgestaltung von Live-Übertragungen. Aus Österreich beteiligen sich der ORF, die Landesforschungsgesellschaft Salzburg Research und Sony NetServices an diesem Forschungs- und Entwicklungsprojekt. Die ersten Tests werden bei der Straßenrad WM 2006 in Salzburg durchgeführt.
Wir alle kennen Sportübertragungen, die live in unsere Wohnzimmer kommen. Auf dem Fernsehschirm sehen wir ein Bild, das sich in der Regel auf einen einzelnen Ausschnitt des Geschehens konzentriert. Heute obliegt die Bildgestaltung fast ausschließlich alleine dem Regisseur – die Zukunft von Live-Übertragung sieht anders aus.
Zuseher werden Teil des Regieteams – ein Szenario der Zukunft
Fernsehkonsumenten können dazu beitragen, welcher Ausschnitt aus dem Live-Geschehen gerade gezeigt wird. Sie bekommen zeitgleich zum Live-Event mehrere Kanäle auf ihrem Fernsehgerät angeboten und wählen dort jene aus, die sie sehen möchten. Diese Kanäle ergänzen das Live-Angebot um eigenständige Sendungen mit weiteren Hintergrundinformationen. Der Regisseur der Zukunft – der so genannte Video-Conductor – erkennt über einen Feedback-Kanal welches Programm das höchste Interesse bei den Zusehern findet. Das Sportereignis wird zum vielfältigen Patchwork-Angebot für die Zuseher.
Eine technologische und redaktionelle Herausforderung
Die technische Herausforderung stellt sich für alle Beteiligten in diesem Projekt gleichwertig hoch dar. Ing. Andreas Bauer, Leiter Projekt- und Beziehungsmanagement ORF-Technik und gleichzeitig Mitglied des General Assembly im Projekt, betont in diesem Projekt die Wichtigkeit der reibungslosen Zusammenarbeit der verschiedenen Berufsgruppen und den damit verbundenen Technologien, um zu einem innovativen Ergebnis für alle Beteiligten inklusive der Zuseher zu kommen.
DI Georg Güntner, Projektverantwortlicher bei Salzburg Research, fasst die Entwicklungsarbeiten der Softwarepartner von LIVE zusammen: „Die technische Herausforderung besteht in der bestmöglichen Unterstützung des Video-Conductors. Dazu muss Wissen über die Live-Datenströme und die Archivclips aufgebaut werden. Ähnlich einer Beschlagwortung werden die Inhalte kurz beschrieben. Erst wenn dieses Wissen entsprechend codiert ist, kann der Video-Conductor über das Softwaresystem, das im LIVE-Projekt entwickelt wird, das TV-Angebot optimal steuern.“
„Um in diesem Genre in Zukunft am Fernsehmarkt bestehen zu können, brauchen Fernsehanstalten neue Technologien und Produktionsprozesse, die immer näher an die Zuseher herangetragen werden. Die Zuseher müssen an der Gestaltung ihres TV-Live-Events mit gestalten können“, meint Mag. Hans Peter Trost, Programmwirtschaftlicher Leiter ORF-Sport. Herbert Hayduck, stellvertretender Leiter des Fernseharchivs dazu: „Der ORF verfügt über ein reichhaltiges Archiv, das Raritäten aus 50 Jahren Fernseh- und Sportgeschichte enthält. Interaktive Technologien und Regieszenarien stellen das aktuelle Geschehen in einen größeren Zusammenhang und ermöglichen die Präsentation von spannenden historischen Analysen.“
Auftakt ist der Höhepunkt der Straßenrad WM 2006 – das Straßenrennen der Herren am Sonntag, 24. September. Eigene Kamerateams werden Bilder für das Forschungsprojekt liefern, die im weiteren Projektverlauf als Basismaterial für die Forschungsarbeit dienen. Bei den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking soll das LIVE-Konzept in österreichischen Haushalten zum ersten Mal unter realen Bedingungen getestet werden. „Wir sind hier auf einem spannenden Gebiet an vorderster Front der Fernsehentwicklung aktiv“, so ORF Projektteamleiter Ing. Josef Semler. „Mit dem Projekt LIVE sind wir auf dem richtigen Weg, um in Zukunft unsere Konkurrenzfähigkeit in diesem Segment noch ausbauen zu können.“
Interaktives TV in aller Munde
Die Einführung des digitalen, terrestrischen Rundfunks in Österreichs Hauptstädten und Umgebung steht unmittelbar bevor. Kein Wunder also, wenn derzeit interaktives, digitales TV in aller Munde ist, viele an Möglichkeiten arbeiten, wie Zuseher das Programm mitgestalten können. Die Vision des Forschungsteams von LIVE geht einen entscheidenden Schritt weiter. Meist ist mit Interaktivität die inhaltliche Auswahl des Zusehers in vorproduzierten Programmangeboten gemeint. Die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten des Projektes zielen darauf ab, Interaktivität auch bei Live-Veranstaltungen möglich zu machen.
Internationale Forschungs- und Entwicklungsexpertise
An „LIVE-Staging of Media Events“ forschen und entwickeln neun Partner aus fünf europäischen Ländern. Der ORF, als international anerkanntes Unternehmen bei der Live Übertragung von Sportereignissen, bringt sein gesamtes Know-how und die technische Infrastruktur in das Projekt mit ein. Fraunhofer – Institut für Medienkommunikation, leitet das Projekt und forscht gemeinsam mit University of Bradford an neuen Metadatenmodellen. ATOS Origin untersuchen Businessszenarien und entwickeln gemeinsam mit Salzburg Research die Software für das sg. „intelligent media framework“ von LIVE. Zuseherprofile und Feedback-Mechanismen stehen im Zentrum der Forschungsarbeiten der Universität Ljubljana. Die Kunsthochschule für Medien in Köln und die Fachhochschule Köln entwickeln neue Arbeitsmethoden und Prozesse für Video-Conductor - die Regisseure der Zukunft. Für die Gestaltung einer benutzerfreundlichen Oberfläche der neuen Softwarewerkzeuge sorgen Sony NetServices.
LIVE wird von der Europäischen Union gefördert. Das bm:bwk kofinanziert einen Teil der österreichischen Forschungsarbeiten. Das Projekt begann im Jänner 2006 und wird Mitte 2009 abgeschlossen sein. Projektwebseite: http://www.ist-live.org
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